Abmahnung - dem Mitarbeiter die Gelbe Karte zeigen!

Kündigungen sind und sollten das letzte der möglichen Mittel sein um betriebsinterne Konflikte lösen zu können.

Oft, wenn der Arbeitnehmer verhaltensbedingt (Arbeitnehmer kann anders, will aber nicht – Beispiel: wiederholtes zu spät kommen, Alkohol am Arbeitsplatz etc.) gerügt werden muss, kommt die Abmahnung ins Spiel. Sie ist quasi die „Gelbe Karte“ des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer.

 

 

Was muss ich bei einer Abmahnung beachten?

Abmahnungen haben grundsätzlich drei Funktionen, die Hinweis-, Warn- und Androhungsfunktion. Dabei ist es unerheblich, ob eine Abmahnung mündlich oder schriftlich erfolgt. Aus beweissicherungsgründen sollte diese aber schriftlich erfolgen.

Der Arbeitgeber muss in der Abmahnung den Arbeitnehmer auf seine vertraglichen Pflichten hinweisen und macht ihn auf seine konkrete Pflichtverletzung aufmerksam. Ein verallgemeinern wird hier nicht ausreichen. Der Sachverhalt muss konkret dargelegt werden.

Kurz um, der Mitarbeiter muss erkennen, was er falsch gemacht hat und wie er es in der Zukunft richtig zu tun hat (wie er sich vertragstreu verhalten kann/soll). Auf keinen Fall darf die Sanktionsandrohnung, wie die Androhung der Kündigung fehlen. Hier sieht der Mitarbeiter, dass sein Verhalten eine arbeitsrechtliche Konsequenz mit sich führt, wenn er es noch einmal macht.

 

Abmahnung entbehrlich?

Unter bestimmten Voraussetzungen kann auf eine Abmahnung verzichtet werden. Man nennt das dann, die Abmahnung ist „entbehrlich“. Das sind immer solche Situationen, die eine mögliche Verhaltensänderung in der Zukunft nicht erwarten lassen oder bei schweren Vertragsverletzungen, bei dem der Arbeitnehmer wissen kann, das diese zur Kündigung führen.

Aber auch dann, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen AG und AN so in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass es auch durch eine Abmahnung nicht mehr geheilt werden kann.

Beispiel: Mitarbeiter wird handgreiflich und schlägt den Chef oder bedroht ihn mit einer Waffe.

Vorsichtig solltet ihr sein, wenn ihr das gleiche Fehlverhalten öfter abmahnt und nicht kündigt, wie angedroht. Dann lauft ihr Gefahr, dass die Warnfunktion der Abmahnung geschwächt wird und eine spätere Kündigung gerichtlich ausgehebelt werden kann, weil der Arbeitnehmer ohnehin davon ausgehen konnte, dass die angedrohten Sanktionen nicht umgesetzt werden.

Stellt euch hier mal ein Kind vor, dem Ihr wegen einem Fehlverhalten Fernsehverbot androht. Dann macht das Kind das gleiche wieder. Nun folgt noch eine Androhung von Fernsehverbot. Usw. Aber nie wird das Fernsehverbot auch umgesetzt. Dann wird sich das Kind sehr schnell unterbewusst folgendes sagen. „Alles klar, dass was ich mache ist eh ohne Konsequenz. Lass ich die Eltern weiter reden. Passiert eh nix.“

So, oder so ähnlich könnte es dann auch der Richter bei wiederholten Abmahnungen ohne Sanktionsausführung sehen. Auch aufpassen müsst ihr bei wenn ihr euch zu lange Zeit für eine Abmahnung lasst. Man kann dann u.U. davon ausgehen, dass je länger die Abmahnung nicht ausgesprochen wird, desto weniger war der Grund für die Abmahnung auch so gravierend, dass er überhaupt einer Abmahnung bedarf. Sie verliert also an Kraft. Ist schon viel Zeit seit der letzten Abmahnung wegen der gleichen Sache vergangen, ohne das etwas Neues passiert ist, wird sie nach ca. 2-3 Jahren entwertet. Der Vorfall wird also geheilt.

 

Der Mitarbeiter ist mit der Abmahnung nicht einverstanden, was nun?

Die Abmahnung beeinträchtigt den Arbeitnehmer in seinem Persönlichkeitsrecht. Er kann wie folgt auf eine Abmahnung reagieren:

  • Aufforderung an den Arbeitgeber, die Abmahnung aus der Personalakte zu entfernen,
  • Gegenvorstellung zur Personalakte reichen,
  • Beschwerde beim Betriebsrat oder auch beim Arbeitgeber wegen ungerechter Behandlung einreichen.
  • Gar nichts zu tun, aber später bei einem eventuellen Kündigungsschutzprozess vortragen, dass die Abmahnung zu Unrecht erfolgt sei,
  • Klage auf Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte

Wie bei allen Rechtsthemen gilt natürlich: fragt Euren Anwalt. Wenn Ihr keinen habt oder kennt, wir geben euch gerne den Kontakt zu spezialisierten Anwälten für dieses Thema.

Hinweis: Akundo übernimmt keine Rechts- und/oder Steuerberatung. Die o.g. Texte und Beiträge sind lediglich als Information zu sehen.

Eure Akundos.

 

Wir sehen uns nächsten Freitag bei #FreitagsFragen auf der #CoachingCouch