Elternzeit, was habe ich als Arbeitgeber zu beachten?

Das letzte Mal haben wir über den Mutterschutz ein paar Zeilen verloren. Anschließend an den Mutterschutz kommt oft die Entscheidung des Arbeitnehmers Elternzeit zu nehmen.

Diese Entscheidung ist aber nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern auch mit dem Arbeitgeber mit Fragen und Konsequenzen verbunden. Wir informieren euch heute über ein paar wichtige Details, die zu beachten oder zu bedenken sind.

Zuerst einmal kann die Elternzeit eines Arbeitnehmers nicht einfach so beginnen. Wie in Deutschland üblich geschieht auch das nicht ohne Antrag. Der Arbeitnehmer hat seinen Antrag schriftlich beim Arbeitgeber mindestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit einzureichen. Grundsätzlich besteht der Anspruch auf drei Jahre Elternzeit. Der Arbeitnehmer muss für die ersten zwei Jahre verbindlich festlegen, welchen Zeitraum er in Elternzeit gehen will.

Dies soll unter anderem für den Arbeitgeber auch Planungssicherheit bringen, denn nicht selten muss sich der Arbeitgeber über einen Ersatz Gedanken machen. Diesen Ausfall kann er z.B. durch Einstellung einer befristeten Arbeitskraft mit Sachgrund „Elternzeit“ (Zweckbefristung) oder durch eine zeitliche befristete Arbeitskraft (ohne Sachgrund) kompensieren.

Kündigungsschutz und Gehalt

Der Arbeitnehmer genießt ab Antragstellung und in der Elternzeit selbst Kündigungsschutz. In sehr seltenen Fällen kann durch die zuständigen Behörden in dieser Zeit einer Kündigung stattgegeben werden. Dies ist aber äußerst schwierig und nur in ganz wenigen Fällen überhaupt möglich. Während der Elternzeit ruhen im Übrigen alle wesentlichen Pflichten des Arbeitsvertrages. Darunter gehört die Arbeitspflicht des Arbeitnehmers (der AN muss also nicht arbeiten). Im Gegenzug muss der Arbeitgeber auch keinen Lohn oder Gehalt bezahlen. Die Treuepflichten bleiben aber erhalten. Das der Arbeitnehmer finanziell über die Runden kommt, kann er bei den zuständigen Stellen Elterngeld oder ElterngeldPlus beantragen.

Elternzeit verlängern oder verkürzen – geht das?

Es geht beides. Hat ein Arbeitnehmer Elternzeit für z.B. zwei Jahre beantragt, so kann er auf erneuten Antrag das dritte Jahr Elternzeit nehmen. Dies kann er bis zum 8. Lebensjahr des Kindes nehmen. Das ist dann praktisch für den Arbeitnehmer, wenn er z.B. im ersten Schuljahr des Kindes für das Kind da sein will. Hier ist aber zu beachten, dass es bei Geburten bis zum 30.06.2015 in diesen Fällen der Zustimmung des Arbeitgebers bedarf. Sieht der Arbeitgeber betriebliche Gründe dagegen sprechen, so kann er den Antrag ablehnen.

Bei Geburten ab dem 01.07.2015 kann die Elternzeit in drei Schritten genommen werden. Auch hier müssen die ersten zwei Jahre verbindlich festgelegt werden. Allerdings ist für die verbleibende Elternzeit bis zum 8. Lebensjahr des Kindes keine Zustimmung des Arbeitgebers mehr erforderlich. Allerdings muss der Arbeitnehmer den Arbeitgeber ab dem 3. Lebensjahr des Kindes mindestens 13 Wochen vorher informieren.

Auch ein vorheriger Einstieg ist in der Regel möglich. Vorsicht ist hier aber bei den Wochenstunden geboten. Hier gibt es spezielle Regelungen, die beachtet werden müssen, sonst gefährdet man die Elternzeit komplett. Hat der Mitarbeiter dies vor, so kommt es auch hier auf das Geburtsjahr des Kindes an. Geburten vor dem 30.06.2015 müssen es dem Arbeitgeber 7 Wochen vorher und Geburten ab dem 01.07.2015 müssen des dem Arbeitgeber 13 Wochen vorher mitteilen.

So ganz einfach ist das aber für den Arbeitgeber auch nicht. Denn eine solche Entscheidung hat Auswirkungen auf den weiteren betrieblichen Ablauf. Er muss die Beschäftigungszeiten und Einsatzgebiete usw. ggf. neu strukturieren oder anpassen. Außerdem ist dies mit Kosten verbunden. Aus diesem Grund ist es unerlässlich mit dem Mitarbeiter im Vorfeld klar über die Länge der Elternzeit zu sprechen. So kann der Arbeitgeber seine Planungen und Kosten darauf ausrichten.

Muss ich dem Arbeitnehmer den gleichen Arbeitsplatz wiedergeben?

Zuerst einmal besteht nur die Pflicht den Arbeitnehmer wieder zu beschäftigen. Ob er dann auch einen Anspruch auf den gleichen Arbeitsplatz hat, hängt von der Stellenbezeichnung in seinem Arbeitsvertrag ab. Ist diese eng gefasst und stehen hier klare Tätigkeiten, die der Arbeitnehmer ausführen muss, so muss er auch in diesen Bereichen eingesetzt werden. Ist der Zweck aber weit gefasst und es ist z.B. nur die Berufsbezeichnung geregelt, so kann der Mitarbeiter in allen für diesen Beruf typischen Tätigkeiten idR. eingesetzt werden.

Hat ein Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine Teilzeitbeschäftigung?

Durch das Teilzeit- und Befristungsgesetzt kann es einen Anspruch auf eine Teilzeitbeschäftigung geben. Hierzu muss der Arbeitnehmer mindestens 6 Monate im Unternehmen tätig sein. Stehen allerdings betriebliche Gründe gegen eine Teilzeitbeschäftigung, so kann der Arbeitgeber dies auch ablehnen. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz soll im Übrigen die Möglichkeiten der Teilzeitarbeit fördern. Dies gilt auch für Führungskräfte.

Wer kann helfen?

Eine Elternzeit durch einen Arbeitnehmer ist kein Beinbruch, auch nicht für einen kleinen Betrieb. Wir helfen gerne bei der Umstrukturierung und klären betriebswirtschaftliche und organisatorische bzw. personelle Fragen für und mit euch. Bei juristischen oder steuerberatenden Fragen können wir euch gerne zu einem unserer Partner weiterleiten. Egal welche Frage hierzu auftaucht, kontaktiert uns einfach.

Eure Akundos.

 

Wir sehen uns nächsten Freitag bei #FreitagsFragen auf der #CoachingCouch