Wenn der Chef ausfällt – was dann?

Es ist Krankheitszeit. Viele Betriebe bekommen das derzeit empfindlich zu spüren. Mitarbeiter fallen aus und melden sich krank. Dank unserem Sozialsystem bekommt fällt der Mitarbeiter idR. weich.

Er bekommt die ersten 6 Wochen seinen Lohn vom Chef weiterbezahlt (Entgeltfortzahlung). Dauert die gleiche Krankheit länger als 6 Wochen an, so fängt ihn ein „Netz“ bzw. ein „doppelter Boden“ auf. Er kann durch seine gesetzliche Krankenkasse Krankengeld beziehen.

Was ist aber, wenn der Chef selbst krank wird oder ausfällt? Pecht gehabt?

In den meisten Betrieben müsste man diese Frage mit einem schlichten „ja“ beantworten.

Nun mal ehrlich. Eine Woche kann man schon mal überbrücken. Man kann Termine verschieben und um das Verständnis der Kunden werben. Sicherlich haben auch die Meisten von Ihnen für einen kurzfristigen Ausfall Verständnis.

Was aber, wenn die Krankheit länger andauert?

Dann muss sich der Chef mit folgenden Problemen auseinandersetzen:

  • Habe ich finanzielle Einbußen und wie gravierend sind diese?
  • Ab wann springen meine Kunden ab und gehen wo anders hin?
  • Wer passt auf die Mitarbeiter auf. Geht das gut oder zerfleischen sich diese gegenseitig?
  • Droht das Aus für meine Firma?

 

Typische Gedanken wie ...

sich erschießen, erhängen oder in hysterische Panik verfallen können da schon mal aufkommen, allerdings kommen diese für einen Vollblutunternehmer natürlich nicht in Betracht. Eine Lösung muss her. Es bietet sich an, diese Lösungen in Zeiten vollster Gesundheit zu erarbeiten und gewisse Sachen zu regeln.

Wer bedient die Kunden weiter?

  • Viele Unternehmer sind fachlich Spitze in dem was sie tun. Allerdings horten Sie dieses Wissen oft und geben es oft nicht an ihre Mitarbeiter weiter. Deshalb schult eure Mitarbeiter frühzeitig und gebt euer fachliches Wissen an eure Mitarbeiter weiter. Spezialisten sind gut, aber auch Spezialisten können ausfallen. Sorgt also dafür, dass quasi jeder jeden ersetzen kann. Weiterbildung der Mitarbeiter ist das A und O.

  • Das alleine reicht aber nicht aus. Sensibilisiert eure Kunden frühzeitig indem ihr auch mal die Kompetenzen eurer Mitarbeiter kommuniziert und anpreist. So bekommen eure Kunden Vertrauen zu den Fähigkeiten dieser und lassen sich auch gerne einmal von Ihnen behandeln oder bedienen. In jedem Fall muss der Mitarbeiter selbstbewusst und zielorientiert weiterarbeiten können. Wenn man merkt, dass die Crew einen „Plan“ hat überträgt sich das Sicherheitsgefühl auch auf die Kunden.

  • Ihr habt keine Mitarbeiter und seid Einzelkämpfer? Schon einmal über eine Kooperation mit einem Berufskollegen nachgedacht? Das geht freilich nicht mit jedem. Die Qualität muss stimmen. Ehrlichkeit ist hier auch sehr wichtig. In vielen Fällen – wenn man die Regeln klar definiert – kann so eine Kooperation eine Bereicherung sein und euch ggf. aus der Patsche helfen.

Wer überweist die Gehälter oder erledigt die Botengänge?

  • Natürlich bleibt auch das administrative und kaufmännische liegen. Auch dies wartet darauf erledigt zu werden. Rechnungen sind zu überweisen. Gehälter sind zu bezahlen. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl von Verwaltungstätigkeiten die sich häufen. Hier bietet sich der Einsatz von Vertrauenspersonen an. Diese können durch Vollmachten für Bank, Post oder Ämter gewisse Tätigkeiten erledigen.

    Achtet aber darauf das ihr Vollmachten nicht einfach leichtsinnig rausgebt. Wählt die Personen also sorgfältig aus. Sie müssen nicht unbedingt im Unternehmen arbeiten, sich aber dann zumindest mit den unternehmerischen und betrieblichen Abläufen auskennen um diese Aufgaben erledigen zu können.

Wichtiger Zugang zu Daten, Unterlagen und Passwörtern

  • Auch das solltet ihr regeln und im echten Notfall den Zugang zu Daten, Unterlagen und Passwörtern ermöglichen. Es bietet sich an, einen zentralen Ort zur Aufbewahrung zu wählen. Natürlich muss dieser sicher sein. Kostengünstig können Unterlagen in einem Save oder Bankschließfach verwahrt werden. Viele Banken haben den Zugang zu Ihren Schließfächern so geregelt, dass ihr auch an Wochenenden oder zu jeder Tages- und Nachtzeit heran kommt.

Wer bezahlt meinen eigenen Ausfall? Gibt es Absicherungen dafür?

  • Ja, die gibt es. Ein paar haben wir Euch aufgeführt:

Krankentagegeldversicherung.

Mit dieser Versicherung könnt Ihr euch für krankheitsbedingte Ausfälle absichern. Gezahlt wird ein Tagegeld dessen Höhe ihr mit der Versicherung vereinbart. Auch vereinbart Ihr den Leistungsbeginn, also den Zeitpunkt, ab dem die Versicherung zahlt. Als Anhaltspunkt für die Absicherungshöhe dienen euren laufenden Kosten bzw. der kalkulatorischen Unternehmerlohn, der nicht durch die Mitarbeiter erwirtschaftet werden kann. Bei einigen Versicherungen kann schon ab dem ersten Ausfalltag abgesichert werden. Hier gilt aber. Je früher die Versicherung greifen soll, desto mehr kostet sie. Oft werden Absicherungen erst ab ein paar Wochen Ausfall gewählt um den Beitrag niedriger zu halten.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn es im Straßenverkehr krach und euer neues Auto kaputt ist, habt ihr hoffentlich eine Vollkaskoversicherung. Kracht es gesundheitlich mal richtig und Ihr könnt Euren Beruf oder derzeit ausgeübte Tätigkeit nicht mehr ausüben, so benötigt ihr eben eine solche Vollkaskoversicherung für die eigene Arbeitskraft – die Berufsunfähigkeitsversicherung. Hauptziel ist der Ausgleich des Einkommensverlustes durch Zahlung einer monatlichen Rente. Hier steckt der Teufel im Detail und Ihr solltet die Versicherungsbedingungen (das Kleingedruckte) genau prüfen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Tarifen sind oft gravierend. Vergleicht also nicht nur über den Beitrag. Es gibt Spezialversicherer, die sich auf eure Branche spezialisiert haben und so oft auch günstige Beiträge anbieten können.

Dread Disease Versicherung.

Diese greift, wenn eine in den Versicherungsbedingungen genannte schwere Krankheit diagnostiziert wird. Schwere Krankenheiten können z.B. Krebs, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Herzinfarkt o.ä. sein. Je nach Anbieter sind unterschiedlich viele Krankheiten abgesichert. Meist wird keine mtl. Rente, sondern eine einmalige Versicherungsleistung gezahlt. Große Unternehmen sichern teilweise so ihre Kompetenzträger (Schlüsselpersonen) ab, weshalb sie in Managerkreisen gerne auch Keyman-Versicherung genannt wird.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Ähnlich wie die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt sie meist eine mtl. Rente sobald die Voraussetzungen für Erwerbsunfähigkeit vorliegen. Aufgrund dessen das die Absicherung über diese Versicherung meist kostengünstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist, kann diese evtl. als Alternative dienen. Aber Vorsicht. Den vollen Schutz bietet lediglich eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung gibt es nämlich die Leistung erst, wenn man gar keine Tätigkeit mehr ausüben kann. Hingegen leistet die Berufsunfähigkeit meist dann, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Unfallversicherung

Ist ein Unfall die Ursache für den Ausfall kann eine Unfallversicherung Sinn machen. Die Unfallversicherungen leisten, wenn eine dauerhafte Invalidität (gem. den jeweils gültigen Versicherungsbedingungen) vorliegt. Diese Invalidität wird meist frühestens nach einem Jahr festgesellt. Das bedeutet, das ihr, wenn ihr nicht Zusatzleistungen mit einbezieht, erst frühestens nach einem Jahr Anspruch auf Versicherungsleistungen habt. Auch hier gilt, genaue Prüfung im Vorfeld erspart Ärger wenn die Versicherung leisten soll.

Laßt Euch beraten!

Welche Versicherungen tatsächlich sinnvoll sind, ist individuell für jeden selbst zu bestimmen. Holt euch sachverständigen Rat z.B. durch einen unabhängigen und spezialisierten Versicherungsmakler. Eine Beratung hierzu könnt ihr auch unter ms f.ive makler anfordern (einfach auf den Link klicken).

Was ist sonst noch zu tun?

IHK´s, HWK´s sowie der TÜV rät zur Anlage eines Notfallkoffers bzw. eines Notfallordners. Dieser sollte alle privaten und beruflich relevanten Unterlagen und Daten beinhalten um in einer Krisensituation reagieren zu können. Auch sollte dieser Ordner einen Notfall- und Vertretungsplan beinhalten. Hier haben wir euch eine Checkliste zur Verfügung gestellt, die euch als Denkhilfe nutzen könnte. – Link zur Checkliste -

Ihr benötigt Hilfe beim Aufbau eines Notfallplans?

Kein Problem. Schreibt uns einfach an und wir erarbeiten mit Euch euer individuelles Konzept.

 

Wie im Video angesprochen und versprochen hier die Links:

Notfallplan Checkliste

TÜV Broschüre "Unternehmerausfall"

 

Wir sehen uns nächsten Freitag bei #FreitagsFragen auf der #CoachingCouch